Armin G. Wildfeuer
Seminarveranstaltung an der Thomas Morus Akademie/Bensberg am 18./19. Juni 2016
Publication year: 2016

Die Sehnsucht nach einem guten und glücklichen Leben treibt die Menschen seit der Antike um. Die Vielzahl der Coaching- und Lifestyle-Angebote und eine zahllose Ratgeberliteratur belegen dies. Welche Orientierung kann hier die Philosophie bieten? Während für die antike Ethik die allgemeinen Bedingungen für ein gelingendes Leben im Mittelpunkt standen, setzte sich in der Neuzeit eher eine skeptische Haltung ihrer Bestimmbarkeit durch. Die Glücksfrage wurde schließlich in der Gegenwart der persönlichen Verantwortung übereignet. Erst in jüngerer Zeit spielt das gute Leben wieder eine größere Rolle in philosophischen Debatten. Lässt sich die Bestimmung des guten Lebens nur auf individuelle Einstellungen zurückführen oder kann auf objektiv nachweisbare Werte verwiesen werden?

Fragen nach dem guten Leben: Die antiken Grundlagen
Die Vorstellung vom guten Leben ist, wie schon die antike Theoriebildung vor allem durch Aristoteles zeigt, eine holistische, d. h. den ganzen Menschen betreffende: Sie bezieht sich auf das gleichzeitige Gegebensein moralisch-ethischer wie ökonomischer, seelischer wie körperlicher, individueller wie sozialer Lebensfaktoren, die in ihrer Summe das Glück ausmachen. Im Hintergrund stehen anthropologische Grundannahmen.

Die Idee des guten Lebens: Skizzen einer Problemgeschichte
Von der Prämoderne über die Moderne bis hin zur Postmoderne wandeln sich die Vorstellungen des guten Lebens signifikant: sie werden spiritualisiert, subjektiviert, moralisiert und im „Zeitalter der Beliebigkeit“ individualisiert. Als Gegenreaktion erfahren heute antike Modelle der Lebenskunst eine Renaissance.

Unverzichtbare Elemente des guten Lebens: Selbsterfahrung und philosophische Reflexion
Jeder Mensch kann Elemente benennen, die in ihrer Summe ein anspruchsvolles Tableau des guten Lebens ergeben. Die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum hat auf der Grundlage dieser Annahme ein Modell entworfen, in dem die moralischen und politischen Grundlagen skizziert werden, um allen Menschen ein gelingendes Leben zu ermöglichen.

Alles ein Wunschtraum? Utopien als Kompensationsformen des guten Lebens
Gleichzeitig mit dem Verlust von gemeinsamen Vorstellungen vom guten Leben tauchen seit dem 16. Jahrhundert kompensatorische Utopien des gelingenden Lebens auf. Sie entfalten bis heute eine nicht unproblematische Wirkung.

Frei von Verbindlichkeit? Das gute Leben in demokratischen Zeiten
Freiheitlich-demokratischen Verfassungsstaaten verzichten auf eine starke, inhaltlich gefüllte, gemeinsame und allgemein verbindliche Vorstellung des guten und gelingenden Lebens, an das sowohl das politische Gemeinwesen wie auch das Individuum gebunden wären. Das Gute wird nicht mehr inhaltlich bestimmt, sondern durch die institutionellen Rahmenbedingungen ermöglicht.

 

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