Armin G. Wildfeuer
in: M. Nicht u. A. G. Wildfeuer (Hrsg.), Person – Menschenwürde - Menschen-rechte im Disput (= Arbeitsbücher für Schule und Bildungsarbeit, Bd. 5), Münster 2002, 19-116 (DOI: 10.13140/RG.2.1.1407.2085).
Publication year: 2002

Die Ausführungen lassen sich insgesamt als Versuch einer Beantwortung der Frage verstehen: Wie lässt sich angesichts der geschichtlichen und gegenwärtigen Pluralität der Anthropologien, Ethiken und Ethosformen
und angesichts der aufgezeigten Einwände der rational rekonstruierbare Kern des Menschenwürdegedankens formulieren und in seiner Evidenz und seinen normativen Konsequenzen – vorweg und unabhängig von Weltanschauung und auch christlichem Glauben – rational einsichtig und plausibel machen?
Soll der mit unterschiedlichen Gründen vorgetragene Verdacht, es handle sich beim Gedanken der Menschenwürde lediglich um eine ‚Leerformel’ (Abs. 1), zurückgewiesen werden können, dann hat dies zur Voraussetzung, dass es auf dem Hintergrund einer Analyse der Verwendungsvarianten des Begriffs (Abs. 2) einerseits gelingt, einen rational begründbaren, mithin auch kultur-, zeit- und theorieunabhängig plausibilisierbaren Kern des Menschenwürdegedankens auszuweisen (Abs. 3), andererseits genau angeben zu können, welche normativen, politisch-rechtlichen und institutionellen Konsequenzen für die Schutzwürdigkeit des Menschen damit verbunden sind (Abs. 4). Schließlich ist auf das Problem der Extension des Menschenwürdebegriffs einzugehen, d. i. auf die durch den Streit um den Personbegriff in der neueren philosophischen Debatte aufgekommene Frage, ob allen Menschen ausnahmslos Würde zugeschrieben oder dies vom Vorhandensein bestimmter, personqualifizierender Eigenschaften abhängig gemacht werden muss (Abs. 5).